Technische Highlights stellen Gebrauchtwagenhändler vor neue Herausforderungen

Noch vor wenigen Jahren reichte eine einfache Probefahrt aus, um die einzelnen Defekte des Wagens aufzudecken. Mittlerweile scheint die Situation auf dem Gebrauchtwagenmarkt komplizierter geworden zu sein. Die gewöhnliche Probefahrt kann verraten, ob ein Motor rund läuft oder Bremsen zu versagen drohen. Alle Mängel zu erfassen, ist bei modernen Fahrzeugen jedoch fast unmöglich.

Das spüren auch Händler, die ein gebrauchtes Auto verkaufen wollen: Die technischen Highlights der vergangenen Jahre wie beispielsweise ESC, ASR und Coming-Home-Lights, mit denen die Autohersteller ihre Fahrzeuge ausgerüstet haben, werden auf dem Automarkt stark nachgefragt. Kunden haben sich schnell an deren sinnvolle Funktionen gewöhnt und wollen beim Autoverkauf davon profitieren, auch wenn das Auto gebraucht ist.

Gebrauchte Fahrzeuge – technisch immer anspruchsvoller

Modernes gebrauchtes Auto verkaufen

Moderne Fahrzeuge überzeugen mit aufwendiger Ausstattung © iStock.com/graphicnoi

Die elektronische Stabilitätskontrolle, ESC genannt, wird von jedem Hersteller ein bisschen anders bezeichnet: ESP, DSTC, DSC oder VSA. Aber gleich ist bei allen die Funktion, die verhindern soll, dass das Auto ins Schleudern kommt. Wer ein gebrauchtes Auto verkaufen will, weist gerne extra auf diese Ausstattung hin. Oft ist die elektronische Stabilitätskontrolle noch zusätzlich mit einer Antriebsschlupfregelung (ASR) versehen. Wer beim Anfahren im Winter beherzt Gas gibt, hat so eine größere Sicherheit beim Fahren auch auf verschneiten Straßen. Kommt ein Auto auch nur leicht ins Schleudern, werden die Räder von der Elektronik einzeln dosiert gebremst, so dass das Fahrzeug sicher in der Spur bleibt. Damit lassen sich oft schwere Unfälle einfach verhindern. Die dafür erforderlichen Daten werden von einem Drehratensensor und einem Beschleunigungssensor ermittelt.

Für Gebrauchtwagenhändler ist es nicht immer einfach festzustellen, ob die Sensoren die korrekten Daten ermitteln und die Elektronik beim Autoverkauf so funktioniert, wie sie das wirklich soll. Zudem wird die Situation durch Anbieter wie Swopka erschwert, die Privatpersonen beim Autoverkauf unterstützen und Fahrzeuge an gewerbliche Kfz-Händler verkaufen. Es langt, wenn auf der Plattform „ansprechende“ Fahrzeugbilder hochgeladen und mögliche Schäden wie Dellen oder Kratzer aufgelistet werden. Die Händler bieten dann auf das Fahrzeug, ohne es vorher gesehen zu haben. Gut für die Privatperson, schlecht für den Gebrauchtwagenhändler?! Alles hat seine Vor- und Nachteile – doch das ist nochmal ein anderes Thema…

Sonderausstattungen und Sportpakete

Es ist nicht mehr verwunderlich, dass die Autobesitzer die komplette Ausstattung ihres Wagens ohne entsprechende Papiere nicht identifizieren können. Ob Kleinwagen oder Mittelklassemodell, es bleiben bei der Ausstattung eines Fahrzeugs keine Wünsche mehr offen. Selbst bei einem „bodenständigen“ Kleinwagen wie dem Polo von Volkswagen ist eine zusätzliche Sonderausstattung mit Sportpaket oder Sprachbedienung möglich.

Bei dem so beliebten BMW 3er Modell steigt die Zahl der Sonderausstattungen bis auf 100. BMW bietet für jedes Modell verschieden „Lines“ wie Sport Line, Modern Line oder Luxury Line, die noch zusätzlich mit verschiedenen Paketen ausgestattet werden können. Im Grunde kann man seinen Wagen heutzutage ganz individuell gestalten: egal ob Design, Motor, Navigation oder Parkassistenz. Rechnet man noch verschiedene Farb- und Polsterkombinationen hoch, wird einem bewusst, wie unübersichtlich die Ausstattung eines modernen Autos sein kann.

Wenn ein Gebrauchtwagen ge- oder verkauft wird, sollte man sich lieber viel Zeit nehmen und die Ausstattung des Autos genau kennenlernen. Letztendlich kostet die Sonderausstattung auch mehr. Allerdings bleibt immer noch die Frage, wie man die einwandfreie Funktionalität von solchen Systemen wie ESP oder ASR testen kann. Diese Frage stellt auch die Gebrauchtwagenhändler vor neue Herausforderungen.

Beim Autoverkauf auf technische Daten achten

Gebrauchtes Auto verkaufen Autohändler

Ist die Probefahrt immer noch hilfreich? © iStock.com/XiXinXing

Fast alle Autos, die gebraucht auf dem Automarkt zu finden sind, haben elektronische Bauteile an Bord. Während früher ein Fahrzeug durch einen Motorschaden still stand, kann es heutzutage die defekte Elektronik sein. In einem schwarzen Kästchen untergebracht, sieht niemand den Steuergeräten an, ob der Fehler wirklich in ihnen steckt, oder ob er woanders zu suchen wäre. Der Nachteil dabei ist: Während früher ein altgedienter Kfz-Meister vor dem Autoverkauf meistens schnell herausfand, ob alles läuft wie geschmiert, müssen heute Spezialisten mit komplizierter Messtechnik prüfen, ob die Elektronik defekt ist. Viele der Steuergeräte geben bereits kurz nach Ablauf der Neuwagengarantie ihren Geist auf. Wer als Gebrauchtwagenhändler auf dem Automarkt ein gebrauchtes Auto verkaufen möchte, muss sich entweder darauf verlassen, dass die Elektronik beim Autoverkauf so lange hält, bis die von ihm gegebene Garantie erloschen ist, oder er muss sie aufwändig prüfen lassen. Die aktuelle Situation beeinflusst viele Ebenen des Gebrauchtwagenmarkts: nicht nur Gebrauchtwagenhändler sind betroffen, auch private Autokäufer und Autoverkäufer

Wer leichten Herzens sein Auto verkaufen will, kann auf einen kostenpflichtigen Autocheck von einer privaten Prüforganisation wie den TÜV zurückgreifen. So wird das Vertrauen des Käufers gewonnen sowie die Preisverhandlung erleichtert. Dennoch werden immer noch viele neue technische Autohighlights bei einem Grundcheck nicht berücksichtigt. Diese Tabelle zeigt, welche Ausstattungen bzw. ihre Funktionsfähigkeit für den Restwert des Wagens Auswirkungen haben können.

Ausstattung Kleinwagen Mittelklasse Luxusklasse
EPS
Anhängerkupplung
Automatikgetriebe
Klimaanlage
Leichtmetallfelge
Metallic-Lackierung
Navigationssystem
Einparkhilfe
Servolenkung
Sitzheizung vorne
Standheizung
Tempomat
Xenonlicht
Zentralverriegelung
Bewertung ein Muss „Nice to have“ kein Vorteil beim Weiterverkauf

Quelle: DIE WELT (c) sustech.de

Kein technischer Verstand und nun?

Es wird empfohlen, sich mit Autos genauso wie mit jedem technischen Produkt im Detail auseinanderzusetzen und nicht dem Gebrauchtwagenhändler blind zu vertrauen. Die Sonderausstattungen sind normalerweise in der Auftragsbestätigungen oder Rechnungen zu finden. Ein Kfz-Spezialist kann die technischen Begriffe erklären. Deswegen sollten nicht nur Autokäufer, sondern auch Autoverkäufer großen bzw. seriösen Autohändlern – die auch häufig eine eigene Werkstatt besitzen – vertrauen und lieber auf einen Verkauf an eine Privatperson verzichten. Auch wenn das Angebot verlockend ist. In der Regel spart dies den unnötigen Stress, wenn Sie sich mit der technischen Feinheiten ihres Autos nicht auskennen.

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